fliegengewicht
Bücher - Rezensionen etc.
Donnerstag, 11. September 2008
11
September
2008
Boris Moser sammelt Ideen, verworfene Ideen und hat eine "Agentur für verworfene Ideen" gegründet, um mit diesen zu handeln. Was jetzt folgt, sind 174 Seiten angesammelte – und von Jakob Hein vermutlich irgendwann mal verworfene – Ideen mit einer Mini-Rahmen-Handlung (boy meets girl, hier: Boris Moser trifft die schöne Rebecca).

Mittendrin ein verworfener Romananfang, welcher mir sehr gut gefiel. Ich mochte wie sich die Geschichte erst von Figur zu Figur vorwärts bewegt (von Sophia zu Mark zu Iris wieder zu Sophia zu Sebastian zum Maulwurf zu Heiner und Wolf) und von dort wieder zurück (zu Sophia und Sebastian). Wer mitgezählt hat, wird merken, dass auf dem Weg zurück Mark und Iris verloren gegangen sind ;-) aber dafür ist es ja auch nur ein Romananfang.

Jede Idee an sich, jedes Kapitel für sich alleine betrachtet, fand ich wunderbar. Jakob Hein ist zweifelsohne talentiert und schreibt wunderschön, aber irgendetwas fehlte. Vielleicht ein besseres, vor allem ausführlicheres Ende; einfach um dem 'Romananfang' in der Mitte mehr 'drumherum' zu geben.

Trotzdem gebe ich eine zwei auf der Schulnotenskala, einfach, weil mir so viele Kleinigkeiten gefallen haben, z.B. die verwunschenen Immobilien (die gibt es hundertprozentig, sehe ich jeden Tag, wenn ich durch die Stadt gehe) oder die Zubereitung des perfekten Milchkaffees oder auch die Einstellung Heiners, seinen Wohlstand nicht zu vermehren, sondern zugunsten seines Wohlbefindens zu vermindern.




Sonntag, 7. September 2008
07
September
2008
Zum Inhalt:
Die schöne Hotelbesitzerin muss verrückt sein, davon sind die Bewohner des kleinen Ortes an der sardischen Küste überzeugt. Warum sonst weigert sie sich, durch den Verkauf ihres paradiesischen Stücks Land zur Millionärin zu werden? Warum liegt ihr das Glück der anderen mehr am Herzen als das eigene? Und warum lässt sie sich von ihren Liebhabern so furchtbar schlecht behandeln?
Ihre Nachbarn nennen sie »Madame«, weil sie alles Französische so liebt. Man wundert sich, dass sie mit ihrem kleinen Hotel und dem Obst- und Gemüseanbau lieber arm bleibt, obwohl ihr die Bauherren der Touristendörfer lukrative Angebote für ihr traumhaftes Grundstück am Meer machen. Doch Madame ist zufrieden mit ihrem bescheidenen Leben in der sardischen Macchia, zufriedener jedenfalls als ihre Hotelgäste, denen sie mit etwas Magie das Leben zu verschönern versucht. Wenn nur der ständige Liebeskummer nicht wäre, unter dem sie leidet! Doch auch auf Madame wartet irgendwo das große Glück - davon ist ihre junge Freundin, die Erzählerin dieser Geschichte, überzeugt. Zur Not muss man der Glücksgöttin eben mit etwas Magie nachhelfen ...

Zur Autorin:
Milena Agus wurde als Kind sardischer Eltern in Genua geboren. Heute lebt sie in Cagliari auf Sardinien, wo sie an einer Fachoberschule Italienisch und Geschichte unterrichtet. Ihr Alter würde ich aufgrund des Fotos im Klappentext so auf um die 40 schätzen. Die Flügel meines Vaters ist ihr dritter Roman, bekannt dürfte auch ihr letzter Roman, Die Frau im Mond, sein.

Und mit diesem dritten Roman (mit 158 Seiten ähnlich dünn wie der Vorgängerroman und schnell gelesen) bleibt sich Milena Agus ihrem Stil treu: Die Geschichte wird erzählt von einem jungen Mädchen, in diesem Fall die 14-jährige Nachbarstochter und die Hauptfigur dieser Erzählung ist eine ältere Frau, hier die 50-jährige "Madame" (wobei bei mir das Wort Madame schnell die Assoziation Puffmutter hervorruft, aber so ist es hier nicht). Wieder schreibt Milena Agus in kurzen Kapiteln und wieder weiß man mit Lesen des Inhalts schon alles, was es zu wissen gibt.

Man liest halt weiter, weil man a) dann doch wissen will ob Madame die wahre Liebe findet und ihr Haus verkauft und b) die 158 Seiten wirklich schnell gelesen sind.

Aber keine der Figuren wächst einem wirklich ans Herz, außer vielleicht der Großvater, die Kapitelsprünge machen auf mich den Eindruck von "gewollt künstlerisch" und das Ende ist dann sowohl teilweise offen als auch irgendwie dahin gehuddelt, dass zumindest ich das Buch nicht zufrieden aus der Hand gelegt habe. Dann kommt noch etwas Magie ins Spiel, ein bisschen Gott, ein bisschen Sex… aber all das ist keine Geschichte geworden, die man am Ende zufrieden aus den Händen legt.

Und da dies jetzt schon das zweite Buch von Milena Agus ist, mit dem ich nicht glücklich war, werde ich diese Autorin wohl zukünftig meiden. Insbesondere, da 15,95 Euro doch recht viel für einige Stunden dünnen Lesevergnügens sind.

Und dann habe ich noch ein Problem mit dem Cover, auf welchem man – sehr schön fotografiert – Lavendel sieht. Nur… in dem Buch kommt nicht einmal Lavendel vor… es geht mal um Wacholder, mal um Kapern, natürlich um das Meer, um Mandelblüte und Zitronen. Also eine Menge potentieller Fotomotive, warum es daher der Lavendel aufs Cover geschafft hat, ist mir ein Rätsel.




Dienstag, 2. September 2008
02
September
2008
Inhalt:

As a little girl, Jane has no one. Her mother, the powerful head of a Broadway theater company, has no time for her. She does have one friend-a handsome, comforting, funny man named Michael-but only she can see him.

Years later, Jane is in her thirties and just as alone as ever. Then she meets Michael again-as handsome, smart and perfect as she remembers him to be. But not even Michael knows the reason they've really been reunited.

SUNDAYS AT TIFFANY'S is a love story with an irresistible twist, a novel about the child inside all of us-and the boundary-crossing power of love.

Meine Meinung:

Die Idee an sich, dass es wirklich imaginäre Freunde gibt, finde ich sehr charmant. Angeblich hatte ich als Kind auch eine imaginäre Freundin, sagt zumindest meine Mutter. Ich kann mich aber nicht mehr erinnern und frage mich nun natürlich, ob das irgendwie mit meinem neunten Geburtstag zu tun hatte Grinsen

Die Hauptcharaktere sind genauso sympathisch (Michael, Jane) oder unsympathisch (Hugh!) wie sie sein soll, selbst Jane als Kind wächst einem ans Herz (oft sind Kinder in Büchern ja eher nervig), die Sprache ist einfach und klar und das Buch hat die für Patterson typischen kurzen Kapitel. Ideal, um zwischendrin Pause zu machen, allerdings verleiten die kurzen Kapitel auch, um nur noch mal ein Kapitel weiter zu lesen und noch eins und noch eins und schon hat man das Buch durch.

Wie Nicole musste ich bei diesem Buch auch gleich an "The Time Traveller's Wife" denken, wenngleich ich letzteres doch etwas anspruchsvoller (sowohl vom Schreibstil als auch von der Geschichte an sich) fand.

Sundays at Tiffany's ist ein rundum-wohlfühl-Buch und m.E. ideal für den Sommer. Wichtig für die Handlung ist nämlich ein Ausflug nach Nantucket und da bekommt man selber Lust auf Strand und Meer und Sommer.

(etwas off-topic: Das Buch, welches ich vor diesem hier gelesen habe, Jane Greens "Beach House" spielt auch in Sconset/Nantucket.... wer davon als mehr will, dem kann ich "The Beach House" empfehlen.).

Was mir nicht so gut gefiel:


- Nicht ganz einleuchtend fand ich, dass Michael da war, um Vivienne beim Sterben zu helfen. Letztendlich hat er da doch nichts getan und auch wie ihm da die "Erleuchtung" in der Kirche kam, war mir etwas "too much".
- Mich hat da ein bisschen gestört, dass das Treffen von einem imaginärem Freund mit "seinem" ehemaligen Kind-Freund so ein einmaliger Fall war, dass auch die anderen imaginären Freunde noch nie davon gehört hatten... der Teil war mir zu hingewurschtelt irgendwie.
- Gefehlt hat mir mehr Entwicklung von Michael: Dass er jetzt "menschlich" ist muss doch trotz der Liebe zu Jane mehr in ihm "gearbeitet" haben.