28
Dezember
2008
Der Inhalt ist schnell erzählt: Neun (See-) Männer auf einem Frachtschiff, auf dem Weg von Island nach Surinam und ein Haufen Geheimnisse.
Dies ist das erste vom Autor ins Deutsche übersetzte Buch, in seiner isländischen Heimat hat er bereits sieben Bücher veröffentlich. Für das Buch "Das Schiff" hat er einen isländischen Krimipreis gewonnen, wobei es sich m.E. eigentlich gar nicht um einen Krimi handelt. Eigentlich passt die Geschichte in kein Genre so richtig.
Meinen Geschmack hat das Buch nicht getroffen. Wenn es ein Krimi ist, dann erwarte ich Spannung und Auflösung, und wenn es kein Krimi ist, dann gefiel es mir trotzdem nicht, weil es eben an Spannung und Auflösung fehlte und dann doch so einen Hang zum Übernatürlichen hatte.
Die nicht vorhandene Auflösung ist für mich *der* Schwachpunkt, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Es wird nicht nur am Schluss nichts aufgelöst, es wird auch mittendrin vieles einfach unaufgelöst stehengelassen… sei es der Piratenüberfall, der praktisch einfach so auf einmal im Raum steht, sei es aber auch die Beziehungen und damit einhergehenden Konflikte der Besatzungsmitglieder untereinander. Was mit den an Land verbliebenen Personen geschieht… auch davon erfährt man nichts mehr.
Die Geschichte fängt recht viel versprechend an, wir lernen die Hauptfiguren und verschiedene kleine Teilhappen der beginnenden Geschichte aus verschiedenen Perspektiven kennen und wir ahnen, dass alles und alle irgendwie zusammenhängen. Naive Leser wie ich haben das Vertrauen in den Autor, dass er am Ende alles schön auflöst. Es fehlt ein bisschen der Sympathieträger in der Geschichte, aber entweder das kommt noch oder es geht auch ohne.
Auch wenn ich die Perspektivwechsel grundsätzlich gelungen fand, waren sie mir doch oft zuuu wiederholend. Da wurden zu viele Fakten einfach wiederholt, ohne dass der Leser aus der neuen Perspektive etwas Neues erfahren hätte.
Nach den ersten Kapiteln, als sich unsere Gefährten endlich auf dem Boot befinden, schleppt sich die Handlung so dahin. Es gibt ein bisschen Sabotage, viel Sturm, es gibt eine Menge durchgeknallter Typen (so dass man sich über die Zusammenballung an Durchgeknalltheit schon wundert), es gibt keinen Sympathieträger und es gibt eine Menge sinnloses Geschwafel. Dann gibt es noch einen Piratenangriff, der durch die momentane Tagesaktualität noch das Beste an der Handlung ist, und am Ende gibt es den abstrusen Versuch der Selbst-Rettung und dann… Nichts.
Fazit: Sowohl Autor als auch Geschichte haben Potential, aber mehr als ein durchschnittliches "ganz ok" mag ich hier nicht vergeben und dies nur für Teile der Geschichte und für das Einfangen der klaustrophobischen Stimmung im Sturm auf See.
Dies ist das erste vom Autor ins Deutsche übersetzte Buch, in seiner isländischen Heimat hat er bereits sieben Bücher veröffentlich. Für das Buch "Das Schiff" hat er einen isländischen Krimipreis gewonnen, wobei es sich m.E. eigentlich gar nicht um einen Krimi handelt. Eigentlich passt die Geschichte in kein Genre so richtig.
Meinen Geschmack hat das Buch nicht getroffen. Wenn es ein Krimi ist, dann erwarte ich Spannung und Auflösung, und wenn es kein Krimi ist, dann gefiel es mir trotzdem nicht, weil es eben an Spannung und Auflösung fehlte und dann doch so einen Hang zum Übernatürlichen hatte.
Die nicht vorhandene Auflösung ist für mich *der* Schwachpunkt, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Es wird nicht nur am Schluss nichts aufgelöst, es wird auch mittendrin vieles einfach unaufgelöst stehengelassen… sei es der Piratenüberfall, der praktisch einfach so auf einmal im Raum steht, sei es aber auch die Beziehungen und damit einhergehenden Konflikte der Besatzungsmitglieder untereinander. Was mit den an Land verbliebenen Personen geschieht… auch davon erfährt man nichts mehr.
Die Geschichte fängt recht viel versprechend an, wir lernen die Hauptfiguren und verschiedene kleine Teilhappen der beginnenden Geschichte aus verschiedenen Perspektiven kennen und wir ahnen, dass alles und alle irgendwie zusammenhängen. Naive Leser wie ich haben das Vertrauen in den Autor, dass er am Ende alles schön auflöst. Es fehlt ein bisschen der Sympathieträger in der Geschichte, aber entweder das kommt noch oder es geht auch ohne.
Auch wenn ich die Perspektivwechsel grundsätzlich gelungen fand, waren sie mir doch oft zuuu wiederholend. Da wurden zu viele Fakten einfach wiederholt, ohne dass der Leser aus der neuen Perspektive etwas Neues erfahren hätte.
Nach den ersten Kapiteln, als sich unsere Gefährten endlich auf dem Boot befinden, schleppt sich die Handlung so dahin. Es gibt ein bisschen Sabotage, viel Sturm, es gibt eine Menge durchgeknallter Typen (so dass man sich über die Zusammenballung an Durchgeknalltheit schon wundert), es gibt keinen Sympathieträger und es gibt eine Menge sinnloses Geschwafel. Dann gibt es noch einen Piratenangriff, der durch die momentane Tagesaktualität noch das Beste an der Handlung ist, und am Ende gibt es den abstrusen Versuch der Selbst-Rettung und dann… Nichts.
Fazit: Sowohl Autor als auch Geschichte haben Potential, aber mehr als ein durchschnittliches "ganz ok" mag ich hier nicht vergeben und dies nur für Teile der Geschichte und für das Einfangen der klaustrophobischen Stimmung im Sturm auf See.
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28
Dezember
2008
Zum Inhalt: Welchen Lauf hätte die Geschichte nehmen können, wenn Lenin nach dem Ersten Weltkrieg nicht nach Russland zurückgekehrt wäre? In seinem neuen Roman erfindet der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht einen alternativen Verlauf der Weltgeschichte.
Der Autor ist 42 Jahre alt und Schriftsteller aus der Schweiz.
Spätestens auf S. 46 wollte ich das Buch in die Ecke pfeffern: "Neben ihrer Achselhöhle war eine Steckdose in die Haut eingelassen, wie die Schnauze eines Schweins." Las sich wie eine schlechte Episode von Torchwood.
Ab S. 54, mit Beginn des vierten Kapitels wurde es dann etwas besser (mit den ersten drei Kapiteln wird man ohne Plan in die Handlung geschmissen), man hat etwas über den Ich-Erzähler erfahren, über die Hintergründe der SSR (Schweizer Sowjetrepublik), über die Verbindung der Schweiz mit Afrika, so dass ich das Buch dann zumindest zu Ende gelesen habe. Es waren ja gottseidank nur 149 Seiten.
Ich hatte mir ehrlich gesagt etwas anderes unter diesem Buch vorgestellt, vielleicht eine Mischung aus Stephen Frys Geschichte machen und Jasper Ffordes Thursday Next Reihe. Vielleicht etwas unterhaltsames, oder zumindest etwas Bewegendes. Dieses Buch war nichts davon und warum die FAZ schreibt "Endlich: Der große Schweiz-Roman!" ist mir ein Rätsel.
Mir kam es teilweise vor, als seien wir noch in der Recherchephase des Autors und der Verlag hätte aus Versehen alle seine Post-its mit seinen Notizen zu früh zu einem Buch zusammengetackert.
Es gibt einige tolle Ideen, die Welt ganz anders zu betrachten, sich ganz anders entwickeln zu lassen nach dem 1. Weltkrieg (z.B. gibt es keine Bücher mehr, nur noch gesprochene Sprache), die aber leider überhaupt nicht entwickelt wurden. So richtig funktionierte für mich auch nicht die Vermischung von allemöglichem, Historie mit Fantasy-Elementen (ich sag' nur Zwerge), es gibt Sci-Fi-Elemente (s. o.g. Frau mit der Steckdose), es hat was apokalyptisches, wenn der Held durch die eiskalte, verschneite Schweiz reitet, es hat was gesellschaftskritisches, wenn man das Leben in der Felsburg Reduit betrachtet (und auch irgendwas von Herr der Ringe und der Schlacht in Helm's Deep), aber es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Keine Idee wird vollständig entwickelt. Und erklärt. Alleine für die unerklärten Wörter hätte es noch gut und gerne fünf Seiten Anhang gebraucht, ob es Schweizerdeutsch ist oder Erfindungen des Autors… ich hatte dann keine Lust mehr, dass zu recherchieren.
Wikipedia klärt mich über den Titel des Buches auf, eine Zeile aus dem Lied Danny-Boy: 'Tis I'll be here in sunshine or in shadow.
Fazit: Ich war enttäuscht, hatte mir sehr viel mehr erwartet, auf der Schulnotenskala eine 4,5 für teilweise sehr schöne klare Sprache, die nur leider keine Geschichte erzählt.
Der Autor ist 42 Jahre alt und Schriftsteller aus der Schweiz.
Spätestens auf S. 46 wollte ich das Buch in die Ecke pfeffern: "Neben ihrer Achselhöhle war eine Steckdose in die Haut eingelassen, wie die Schnauze eines Schweins." Las sich wie eine schlechte Episode von Torchwood.
Ab S. 54, mit Beginn des vierten Kapitels wurde es dann etwas besser (mit den ersten drei Kapiteln wird man ohne Plan in die Handlung geschmissen), man hat etwas über den Ich-Erzähler erfahren, über die Hintergründe der SSR (Schweizer Sowjetrepublik), über die Verbindung der Schweiz mit Afrika, so dass ich das Buch dann zumindest zu Ende gelesen habe. Es waren ja gottseidank nur 149 Seiten.
Ich hatte mir ehrlich gesagt etwas anderes unter diesem Buch vorgestellt, vielleicht eine Mischung aus Stephen Frys Geschichte machen und Jasper Ffordes Thursday Next Reihe. Vielleicht etwas unterhaltsames, oder zumindest etwas Bewegendes. Dieses Buch war nichts davon und warum die FAZ schreibt "Endlich: Der große Schweiz-Roman!" ist mir ein Rätsel.
Mir kam es teilweise vor, als seien wir noch in der Recherchephase des Autors und der Verlag hätte aus Versehen alle seine Post-its mit seinen Notizen zu früh zu einem Buch zusammengetackert.
Es gibt einige tolle Ideen, die Welt ganz anders zu betrachten, sich ganz anders entwickeln zu lassen nach dem 1. Weltkrieg (z.B. gibt es keine Bücher mehr, nur noch gesprochene Sprache), die aber leider überhaupt nicht entwickelt wurden. So richtig funktionierte für mich auch nicht die Vermischung von allemöglichem, Historie mit Fantasy-Elementen (ich sag' nur Zwerge), es gibt Sci-Fi-Elemente (s. o.g. Frau mit der Steckdose), es hat was apokalyptisches, wenn der Held durch die eiskalte, verschneite Schweiz reitet, es hat was gesellschaftskritisches, wenn man das Leben in der Felsburg Reduit betrachtet (und auch irgendwas von Herr der Ringe und der Schlacht in Helm's Deep), aber es ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Keine Idee wird vollständig entwickelt. Und erklärt. Alleine für die unerklärten Wörter hätte es noch gut und gerne fünf Seiten Anhang gebraucht, ob es Schweizerdeutsch ist oder Erfindungen des Autors… ich hatte dann keine Lust mehr, dass zu recherchieren.
Wikipedia klärt mich über den Titel des Buches auf, eine Zeile aus dem Lied Danny-Boy: 'Tis I'll be here in sunshine or in shadow.
Fazit: Ich war enttäuscht, hatte mir sehr viel mehr erwartet, auf der Schulnotenskala eine 4,5 für teilweise sehr schöne klare Sprache, die nur leider keine Geschichte erzählt.
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28
Dezember
2008
Zu Beginn hatte ich natürlich Große Erwartungen und das Warten auf dieses Buch hatte was vom Warten auf das Christkind als Vierjährige: Die Zeit bis zur Bescherung verging erst gar nicht und dann war sie viel zu schnell wieder vorbei.
Wenn ich jetzt wieder so lange auf ein neues Buch von CRZ warten muss...also, dass halte ich nicht aus Grinsen
Ich bin zweigespalten, was dieses Buch angeht. Es kommt natürlich nicht an den Vorgänger ran. Vielleicht, weil "Schatten des Windes" so eine Überraschung war und der Leser eben nur Kleine Erwartungen hatte...ich weiß es nicht.
An "Das Spiel des Engels" mochte ich:
- dass es wieder in Barcelona spielt (nicht auszudenken, CRZ hätte seine neue Heimat L.A. zum Schauplatz des Romans gemacht Yikes )
- dass es im *alten* Barcelona spielt und CRZ uns wieder detailliert durch die Stadt führt
- mir war nie langweilig beim Lesen
- dass die Semperes wieder mit dabei waren (wenn auch eine andere Generation).
Was ich nicht mochte:
- mir hat sich lange, vielleicht sogar bis zum Schluss, nicht erschlossen, um was es überhaupt geht
- viele Figuren blieben blass und/oder die Motivation ihres Handelns unklar, z.B. Cristina; mir ist sie nicht ans Herz gewachsen und ich konnte die Liebe Davids zu ihr nicht nachvollziehen
- das große Sterben und niemand wurde am Ende wirklich glücklich (außer vielleicht - für eine kurze Zeit - Isabella mit Sempere jr.).
- das Ende: Ich hatte dann doch das ganze Buch über gehofft, dass sich die Geschichte des Engels und dieser "Kram mit den Untoten" sinnvoll und einleuchtend auflöst und erklärt und die ganze Geschichte einen Sinn macht.
Fazit für mich: CRZ kann toll schreiben, keine Frage. Aber die Geschichte an sich hätte etwas mehr gebraucht, mehr Sinn, mehr Auflösung...ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich das Buch total unbefriedigt zugeklappt habe, als ich die letzte Seite gelesen hatte.
Wenn ich jetzt wieder so lange auf ein neues Buch von CRZ warten muss...also, dass halte ich nicht aus Grinsen
Ich bin zweigespalten, was dieses Buch angeht. Es kommt natürlich nicht an den Vorgänger ran. Vielleicht, weil "Schatten des Windes" so eine Überraschung war und der Leser eben nur Kleine Erwartungen hatte...ich weiß es nicht.
An "Das Spiel des Engels" mochte ich:
- dass es wieder in Barcelona spielt (nicht auszudenken, CRZ hätte seine neue Heimat L.A. zum Schauplatz des Romans gemacht Yikes )
- dass es im *alten* Barcelona spielt und CRZ uns wieder detailliert durch die Stadt führt
- mir war nie langweilig beim Lesen
- dass die Semperes wieder mit dabei waren (wenn auch eine andere Generation).
Was ich nicht mochte:
- mir hat sich lange, vielleicht sogar bis zum Schluss, nicht erschlossen, um was es überhaupt geht
- viele Figuren blieben blass und/oder die Motivation ihres Handelns unklar, z.B. Cristina; mir ist sie nicht ans Herz gewachsen und ich konnte die Liebe Davids zu ihr nicht nachvollziehen
- das große Sterben und niemand wurde am Ende wirklich glücklich (außer vielleicht - für eine kurze Zeit - Isabella mit Sempere jr.).
- das Ende: Ich hatte dann doch das ganze Buch über gehofft, dass sich die Geschichte des Engels und dieser "Kram mit den Untoten" sinnvoll und einleuchtend auflöst und erklärt und die ganze Geschichte einen Sinn macht.
Fazit für mich: CRZ kann toll schreiben, keine Frage. Aber die Geschichte an sich hätte etwas mehr gebraucht, mehr Sinn, mehr Auflösung...ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich das Buch total unbefriedigt zugeklappt habe, als ich die letzte Seite gelesen hatte.
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28
Dezember
2008
Zum Inhalt (Amazon):
Drei junge Leichtathleten stehen ungebeten vor dem Trainer Harlan Brown und wollen von ihm trainiert werden: Patricia Nell Warrens Der Langstreckenläufer lässt von Anfang an keinen Zweifel, dass die drei Sportler schwul sind, deshalb an ihrer Elite-Uni in Schwierigkeiten kamen und nun einen neuen Trainer suchen. Warum aber an einem kleinen, unbedeutenden College und warum Harlan Brown? Die Jungs wissen oder besser ahnen etwas, was der Leser erst allmählich in Rückblenden und aus der Perspektive des Trainers erfährt: auch er ist schwul und genau deshalb hat es ihn an dieses unauffällige College verschlagen, wo er sich sicher wähnt vor einer Öffentlichkeit, die ihm schon einmal sehr zusetzte und die ihm im Verlauf der Romanhandlung noch weitaus mehr zusetzen wird.
Der Roman spielt in der Zukunft: veröffentlicht 1974 findet die Haupthandlung ein bis zwei Jahre später statt und kulminiert in der Olympiade in Montreal 1976. Zwei Generationen treffen aufeinander: Harlan entstammt einer Generation, für die Homosexualität noch mit allem besetzt war, was Medizin, Psychologie, Rechtsprechung, Religion und Medien an Stigmatisierung und Pathologisierung bereitstellten. Dementsprechend quält sich Harlan mit Versteckspielen, geht lieber als S/M-Superhengst auf den Strich als sich auf eine emotionale Beziehung zu einem Mann einzulassen. Dieses Versteckspiel kostet ihn auch fast die Erfahrung der großen Liebe -- in Gestalt von Billy, dem begabtesten der drei jungen Läufer, die alle schon vom Geist der Stonewall-Ära geprägt sind, ihre Gefühle zeigen, sich das Recht auf Liebe nehmen und sich nicht um die herrschende öffentliche Meinung scheren.
Es kommt, wie es kommen muss, bei einem der schönsten Liebesromane der schwulen Literaturgeschichte: Harlan und Billy erleben die ganz große Liebe. Und sie brechen gleich mehrere Tabus: ein älterer Mann und Lehrer liebt den jüngeren Schüler. Aber für die Öffentlichkeit noch unverzeihlicher ist, dass dieser offen schwule Sportler seine Nation bei Olympischen Spielen vertreten soll. Patricia Nell Warren nimmt hier faktische Fragmente und verbindet sie zu einer atemberaubenden und herzzerreißenden Story, die auch heute nichts von ihrer Wirksamkeit verloren hat.
Die Autorin:
Patricial Nell Warren wurde 1936 geboren und ist selbst Langstreckenläuferin. Heute lebt sie in Kalifornien. 1974 veröffentlicht, war "The Front Runner" die erste schwule Liebesgeschichte, die es auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft hat.
Meine Meinung:
Auch wenn das Buch schon 34 Jahre "alt" ist, hat es erstens kaum etwas von seiner Aktualität verloren (vermutlich noch weniger in den USA als hier in Europa) noch hat es zweitens seinen Charme als universelle Liebesgeschichte verloren.
Mir selber steht nichts ferner als Laufen (außer, ich muss mal zum Briefkasten oder in den Buchladen gehen Grinsen ) und auch wenn es der Geschichte schon sehr ausführlich um eben das Langstreckenlaufen geht, wird es nie zuviel; im Gegenteil, ich fand das alles sehr interessant. Und bei den nächsten olympischen Spielen, wenn ich dann so blasse Läufer ins Ziel stürzen sehen, weiß ich, dass das die Leber ist.
Über die zwei Hauptfiguren - Billy und Harlan – und deren Liebesgeschichte muss man nicht viel sagen: einfach schön und auch erotisch und leidenschaftlich, ohne sonderlich graphisch zu werden. Die Figuren sind mit ihren Zweifeln, ihrer Freude und ihrem "Herzschmerz" überzeugend geschrieben.
Rundum gelungen, ich gebe volle Punktzahl.
Ich habe die US-Ausgabe anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Buches gelesen, mit Vorwort des Verlegers und der Autorin. Und natürlich finde ich den Originaltitel besser, im Begriff "front runner" steckt einfach mehr drin… der Langstreckenläufer, aber auch der Vorreiter… bezogen auf das coming out eines Sportler und auch der Art, wie Billy sein Langstrecken läuft… nämlich immer vorneweg. Der deutsche Titel wird dem nicht gerecht und ich mag auch nicht, dass dort ein Typ auf dem Cover ist, mir wird da zu sehr das Aussehen des Helden vorgeschrieben.
Drei junge Leichtathleten stehen ungebeten vor dem Trainer Harlan Brown und wollen von ihm trainiert werden: Patricia Nell Warrens Der Langstreckenläufer lässt von Anfang an keinen Zweifel, dass die drei Sportler schwul sind, deshalb an ihrer Elite-Uni in Schwierigkeiten kamen und nun einen neuen Trainer suchen. Warum aber an einem kleinen, unbedeutenden College und warum Harlan Brown? Die Jungs wissen oder besser ahnen etwas, was der Leser erst allmählich in Rückblenden und aus der Perspektive des Trainers erfährt: auch er ist schwul und genau deshalb hat es ihn an dieses unauffällige College verschlagen, wo er sich sicher wähnt vor einer Öffentlichkeit, die ihm schon einmal sehr zusetzte und die ihm im Verlauf der Romanhandlung noch weitaus mehr zusetzen wird.
Der Roman spielt in der Zukunft: veröffentlicht 1974 findet die Haupthandlung ein bis zwei Jahre später statt und kulminiert in der Olympiade in Montreal 1976. Zwei Generationen treffen aufeinander: Harlan entstammt einer Generation, für die Homosexualität noch mit allem besetzt war, was Medizin, Psychologie, Rechtsprechung, Religion und Medien an Stigmatisierung und Pathologisierung bereitstellten. Dementsprechend quält sich Harlan mit Versteckspielen, geht lieber als S/M-Superhengst auf den Strich als sich auf eine emotionale Beziehung zu einem Mann einzulassen. Dieses Versteckspiel kostet ihn auch fast die Erfahrung der großen Liebe -- in Gestalt von Billy, dem begabtesten der drei jungen Läufer, die alle schon vom Geist der Stonewall-Ära geprägt sind, ihre Gefühle zeigen, sich das Recht auf Liebe nehmen und sich nicht um die herrschende öffentliche Meinung scheren.
Es kommt, wie es kommen muss, bei einem der schönsten Liebesromane der schwulen Literaturgeschichte: Harlan und Billy erleben die ganz große Liebe. Und sie brechen gleich mehrere Tabus: ein älterer Mann und Lehrer liebt den jüngeren Schüler. Aber für die Öffentlichkeit noch unverzeihlicher ist, dass dieser offen schwule Sportler seine Nation bei Olympischen Spielen vertreten soll. Patricia Nell Warren nimmt hier faktische Fragmente und verbindet sie zu einer atemberaubenden und herzzerreißenden Story, die auch heute nichts von ihrer Wirksamkeit verloren hat.
Die Autorin:
Patricial Nell Warren wurde 1936 geboren und ist selbst Langstreckenläuferin. Heute lebt sie in Kalifornien. 1974 veröffentlicht, war "The Front Runner" die erste schwule Liebesgeschichte, die es auf die Bestsellerliste der New York Times geschafft hat.
Meine Meinung:
Auch wenn das Buch schon 34 Jahre "alt" ist, hat es erstens kaum etwas von seiner Aktualität verloren (vermutlich noch weniger in den USA als hier in Europa) noch hat es zweitens seinen Charme als universelle Liebesgeschichte verloren.
Mir selber steht nichts ferner als Laufen (außer, ich muss mal zum Briefkasten oder in den Buchladen gehen Grinsen ) und auch wenn es der Geschichte schon sehr ausführlich um eben das Langstreckenlaufen geht, wird es nie zuviel; im Gegenteil, ich fand das alles sehr interessant. Und bei den nächsten olympischen Spielen, wenn ich dann so blasse Läufer ins Ziel stürzen sehen, weiß ich, dass das die Leber ist.
Über die zwei Hauptfiguren - Billy und Harlan – und deren Liebesgeschichte muss man nicht viel sagen: einfach schön und auch erotisch und leidenschaftlich, ohne sonderlich graphisch zu werden. Die Figuren sind mit ihren Zweifeln, ihrer Freude und ihrem "Herzschmerz" überzeugend geschrieben.
Rundum gelungen, ich gebe volle Punktzahl.
Ich habe die US-Ausgabe anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Buches gelesen, mit Vorwort des Verlegers und der Autorin. Und natürlich finde ich den Originaltitel besser, im Begriff "front runner" steckt einfach mehr drin… der Langstreckenläufer, aber auch der Vorreiter… bezogen auf das coming out eines Sportler und auch der Art, wie Billy sein Langstrecken läuft… nämlich immer vorneweg. Der deutsche Titel wird dem nicht gerecht und ich mag auch nicht, dass dort ein Typ auf dem Cover ist, mir wird da zu sehr das Aussehen des Helden vorgeschrieben.
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28
Dezember
2008
Zum Inhalt (Amazon):
» Ich möchte meine Geschichte erzählen - die Geschichte von Zwaan und mir und von Bet und mir und von der Kälte und dem Wintereis in Amsterdam und vom Tauwetter, das allem ein Ende machte. Wie fängt man eine Geschichte an? Ich fange einfach mal mit etwas an «
Februar, 1947. In Amsterdam herrscht großer Frost, die Grachten sind zugefroren. Der 12-jährige Thomas lernt den gleichaltrigen Zwaan und dessen schöne Kusine Bet kennen. Vielleicht bleibt es ewig Winter, sagt Zwaan. Aber es könnte auch jeden Tag tauen. Dasselbe gilt, so kurz nach Kriegsende, auch für die Gefühle. Jeder der drei vermisst jemanden; die Mutter, den Vater und Zwaan sogar beide Eltern, die nicht aus dem Osten zurückkamen.Thomas verliebt sich in die zwei Jahre ältere Bet. Und Zwaan vertraut ihm an, dass er Jude ist und während der deutschen Besatzung in einem Versteck gelebt hat. Und so helfen sich die drei Freunde gegenseitig, das »Wintereis« zum Tauen zu bringen. Eine Geschichte, die von schwierigen Zeiten erzählt, von Kindern, die gelernt haben, niemals ihre Gefühle zu zeigen, und die doch so voller Kraft und Hoffnung sind, wie es nur Kinder vermögen.
Zum Autor (Klappentext):
Peter van Gestel, geb. 1937 in Amsterdam, arbeitet als Autor und Dramaturg für Rundfunk und Fernsehen und schreibt seit Ende der 70-er Jahre Romane für Kinder. Er lebt in Amsterdam.
Meine Meinung:
Ich bin eher durch Zufall bei Amazon über dieses Buch gestolpert und mir gefiel die Geschichte. Man merkt beim Lesen sehr, dass es ein Kinderbuch ist. Es ist einfach geschrieben, was aber meiner Begeisterung für die Geschichte und für das Buch keinen Abbruch tut.
Die Geschichte und die Figuren sind von Anfang bis Ende stimmig. Man erfährt einiges über die Nachkriegszeit in den Niederlanden, ohne davon überwältigt zu werden und alle Figuren sind selbst in ihrer vielleicht teilweisen Schrulligkeit charmant.
Die Übersetzerin Mirjam Pressler hat ein schönes Nachwort zu dem Buch geschrieben, aus dem ich einige Passagen klauen möchte, weil ich es eh nicht besser sagen könnte:
"Thomas, der Ich-Erzähler, ist...geistreich, schlagfertig, nachdenklich, anrührend und mit einer großen Ausdrucksfähigkeit, auch wenn er sich nicht immer sehr vornehm ausdrückt".
Gerade diese Ausdrucksfähigkeit an Thomas mochte ich sehr, manchmal war sie richtiggehend lustig, aber nie so, dass man sich dachte, so redet oder denkt doch kein Zwölfjähriger.
Weiter Mirjam Pressler:
"Van Gestel gelingt es, durch sparsame und beiläufige Informationen vom Schicksal der niederländischen Juden zu erzählen... Auf die Kernfrage, warum den Juden das alles geschehen ist, erklärt zum Beispiel der frühreife Zwaan: "Sie sind ermordet worden, wiel sie mehr als zwei jüdische Großeltern hatten." Und seine Erklärung für den Hass eines unangenehmen Jungen aus ihrer Klasse ist: "Er hat, glaube ich, mehr als zwei Großeltern, die Juden hassen."
In den Dialogen liegt van Gestels ganzes Können als Erzähler. Sie sind lebendig und genau formuliert, manchmal heiter, aber oft auch widerborstig und etwas schräg, wie eben schwierige Gespräche sein können..."
Ein großartiges Jugendbuch, volle Punktzahl.
» Ich möchte meine Geschichte erzählen - die Geschichte von Zwaan und mir und von Bet und mir und von der Kälte und dem Wintereis in Amsterdam und vom Tauwetter, das allem ein Ende machte. Wie fängt man eine Geschichte an? Ich fange einfach mal mit etwas an «
Februar, 1947. In Amsterdam herrscht großer Frost, die Grachten sind zugefroren. Der 12-jährige Thomas lernt den gleichaltrigen Zwaan und dessen schöne Kusine Bet kennen. Vielleicht bleibt es ewig Winter, sagt Zwaan. Aber es könnte auch jeden Tag tauen. Dasselbe gilt, so kurz nach Kriegsende, auch für die Gefühle. Jeder der drei vermisst jemanden; die Mutter, den Vater und Zwaan sogar beide Eltern, die nicht aus dem Osten zurückkamen.Thomas verliebt sich in die zwei Jahre ältere Bet. Und Zwaan vertraut ihm an, dass er Jude ist und während der deutschen Besatzung in einem Versteck gelebt hat. Und so helfen sich die drei Freunde gegenseitig, das »Wintereis« zum Tauen zu bringen. Eine Geschichte, die von schwierigen Zeiten erzählt, von Kindern, die gelernt haben, niemals ihre Gefühle zu zeigen, und die doch so voller Kraft und Hoffnung sind, wie es nur Kinder vermögen.
Zum Autor (Klappentext):
Peter van Gestel, geb. 1937 in Amsterdam, arbeitet als Autor und Dramaturg für Rundfunk und Fernsehen und schreibt seit Ende der 70-er Jahre Romane für Kinder. Er lebt in Amsterdam.
Meine Meinung:
Ich bin eher durch Zufall bei Amazon über dieses Buch gestolpert und mir gefiel die Geschichte. Man merkt beim Lesen sehr, dass es ein Kinderbuch ist. Es ist einfach geschrieben, was aber meiner Begeisterung für die Geschichte und für das Buch keinen Abbruch tut.
Die Geschichte und die Figuren sind von Anfang bis Ende stimmig. Man erfährt einiges über die Nachkriegszeit in den Niederlanden, ohne davon überwältigt zu werden und alle Figuren sind selbst in ihrer vielleicht teilweisen Schrulligkeit charmant.
Die Übersetzerin Mirjam Pressler hat ein schönes Nachwort zu dem Buch geschrieben, aus dem ich einige Passagen klauen möchte, weil ich es eh nicht besser sagen könnte:
"Thomas, der Ich-Erzähler, ist...geistreich, schlagfertig, nachdenklich, anrührend und mit einer großen Ausdrucksfähigkeit, auch wenn er sich nicht immer sehr vornehm ausdrückt".
Gerade diese Ausdrucksfähigkeit an Thomas mochte ich sehr, manchmal war sie richtiggehend lustig, aber nie so, dass man sich dachte, so redet oder denkt doch kein Zwölfjähriger.
Weiter Mirjam Pressler:
"Van Gestel gelingt es, durch sparsame und beiläufige Informationen vom Schicksal der niederländischen Juden zu erzählen... Auf die Kernfrage, warum den Juden das alles geschehen ist, erklärt zum Beispiel der frühreife Zwaan: "Sie sind ermordet worden, wiel sie mehr als zwei jüdische Großeltern hatten." Und seine Erklärung für den Hass eines unangenehmen Jungen aus ihrer Klasse ist: "Er hat, glaube ich, mehr als zwei Großeltern, die Juden hassen."
In den Dialogen liegt van Gestels ganzes Können als Erzähler. Sie sind lebendig und genau formuliert, manchmal heiter, aber oft auch widerborstig und etwas schräg, wie eben schwierige Gespräche sein können..."
Ein großartiges Jugendbuch, volle Punktzahl.
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28
Dezember
2008
97) David Safier: Jesus liebt mich
98) David Baldacci: Split Second
99) Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
100) John Dunning: Booked to die - monthly highlight
101) David Baldacci: Divine Justice
102) Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind
103) Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels
104) Jörg Kastner: Die Farbe Blau
98) David Baldacci: Split Second
99) Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
100) John Dunning: Booked to die - monthly highlight
101) David Baldacci: Divine Justice
102) Thomas Hettche: Woraus wir gemacht sind
103) Carlos Ruiz Zafón: Das Spiel des Engels
104) Jörg Kastner: Die Farbe Blau
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28
Dezember
2008
88) Sam Bourne: The Last Testament
89) Kathrin Aehnlich: Alle sterben, auch die Löffelstöre - monthly highlight
90) Ken Follett: The Pillars of the Earth
91) Horst Evers: Mein Leben als Suchmaschine
92) Shalom Auslander: Foreskin's Lament
93) Teresa Solana: Höllenfahrt ins Paradies
94) Iris Hanika: Treffen sich zwei
95) Cody McFadyen: Das Böse in uns
96) Alexander von Schönburg: Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
89) Kathrin Aehnlich: Alle sterben, auch die Löffelstöre - monthly highlight
90) Ken Follett: The Pillars of the Earth
91) Horst Evers: Mein Leben als Suchmaschine
92) Shalom Auslander: Foreskin's Lament
93) Teresa Solana: Höllenfahrt ins Paradies
94) Iris Hanika: Treffen sich zwei
95) Cody McFadyen: Das Böse in uns
96) Alexander von Schönburg: Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
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28
Dezember
2008
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr. Was ist dran am Buch der Bücher? A. J. Jacobs hat sich entschlossen, der Bibel in einem Selbstversuch auf den Grund zu gehen. Ein Jahr lang will er die biblischen Gesetze so getreu wie möglich befolgen. Er lässt sich einen Bart wachsen, begrüßt den Beginn eines neuen Monats mit einer Widderhorn-Fanfare und versucht, im Central Park Ehebrecher mit Kieseln zu steinigen. Seine Frau Julie ist keineswegs begeistert, aber Jacobs lässt sich nicht beirren. Er trifft fundamentalistische Christen, tanzt mit chassidischen Juden und reist nach Israel. Die letzten Monate sind dem Neuen Testament gewidmet. Trotz vieler merkwürdiger Begegnungen und scheinbar absurder Gesetze versteht A.J. Jacobs allmählich, welcher Sinn hinter dem Buch der Bücher steht. Am Ende des biblischen Jahres ist er zwar nicht gläubig, aber auf jeden Fall klüger: Er ist ein toleranterer Mensch geworden, der sich und anderen mehr Respekt entgegenbringt.
Der Autor ist Jahrgang 1968 und als lebt als Journalist und Buchautor in New York City.
Meine Meinung
Aus A.J. wird für ein Jahr der bibeltreue Jacob und wir bekommen hier die Gelegenheit, seinen tagebuchähnlichen Bericht darüber zu lesen.
Wer sich etwas lustiges erwartet, wird enttäuscht. Denn lustig sind nur wenige Momente.
Wer kritischen Umgang z.B. insbesondere mit der religiösen Rechten in den USA erwartet, wird enttäuscht.
Die Systematik des Buches ist folgende: Pro Monat nimmt sich Jacob ein "Thema", ein biblisches Gebot vor, welchem er besonderen Augenmerk verleihen möchte. In der Regel sind dies die in in unserer heutigen Zeit eher schwer umzusetzenden Gebote, z.B. das Steinigen von Ehebrechern. Jacob holt sich Rat bei religiösen Menschen, die er um sich als Art Berater versammelt hat und er besucht religiöse Gruppen, die sich mit dem Thema des Monats beschäftigen.
Aber bei all diesem bleibt er komplett unverbindlich. Er kritisiert nie wirklich, selbst sein Besucht bei Falwell bleibt nahezu unreflektiert. Er bezieht nie wirklich Stellung, nicht für die Schwulen wenn er die schwule Bibelgruppe besucht, aber auch nicht dagegen. Mir hat das nicht gereicht, vielleicht hatte ich mir mehr Kritik erwartet.
Am Ende meiner englischen Ausgabe ist ein Interview mit A.J. abgedruckt, aus dem ich eine Sache zitieren möchte:
Frage: What kind of reaction have you received from readers, both secular and religious?
A.J.: I've been surprised. I actually expected the book to be somewhat controversial, because it deals with such a divisive issue - religion. But so far, I've experienced very little controversy.
Ich bin nicht überrascht, dass das Buch nicht kontrovers aufgenommen wird, dafür bietet es (leider?) keinerlei Grundlage.
Fazit: Ich fand das Buch nicht komplett grottenschlecht, eher enttäuschend. Einiges war recht interessant und zumindest mein englisches Bibel-Vokabular hat sich enorm erweitert.
Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr. Was ist dran am Buch der Bücher? A. J. Jacobs hat sich entschlossen, der Bibel in einem Selbstversuch auf den Grund zu gehen. Ein Jahr lang will er die biblischen Gesetze so getreu wie möglich befolgen. Er lässt sich einen Bart wachsen, begrüßt den Beginn eines neuen Monats mit einer Widderhorn-Fanfare und versucht, im Central Park Ehebrecher mit Kieseln zu steinigen. Seine Frau Julie ist keineswegs begeistert, aber Jacobs lässt sich nicht beirren. Er trifft fundamentalistische Christen, tanzt mit chassidischen Juden und reist nach Israel. Die letzten Monate sind dem Neuen Testament gewidmet. Trotz vieler merkwürdiger Begegnungen und scheinbar absurder Gesetze versteht A.J. Jacobs allmählich, welcher Sinn hinter dem Buch der Bücher steht. Am Ende des biblischen Jahres ist er zwar nicht gläubig, aber auf jeden Fall klüger: Er ist ein toleranterer Mensch geworden, der sich und anderen mehr Respekt entgegenbringt.
Der Autor ist Jahrgang 1968 und als lebt als Journalist und Buchautor in New York City.
Meine Meinung
Aus A.J. wird für ein Jahr der bibeltreue Jacob und wir bekommen hier die Gelegenheit, seinen tagebuchähnlichen Bericht darüber zu lesen.
Wer sich etwas lustiges erwartet, wird enttäuscht. Denn lustig sind nur wenige Momente.
Wer kritischen Umgang z.B. insbesondere mit der religiösen Rechten in den USA erwartet, wird enttäuscht.
Die Systematik des Buches ist folgende: Pro Monat nimmt sich Jacob ein "Thema", ein biblisches Gebot vor, welchem er besonderen Augenmerk verleihen möchte. In der Regel sind dies die in in unserer heutigen Zeit eher schwer umzusetzenden Gebote, z.B. das Steinigen von Ehebrechern. Jacob holt sich Rat bei religiösen Menschen, die er um sich als Art Berater versammelt hat und er besucht religiöse Gruppen, die sich mit dem Thema des Monats beschäftigen.
Aber bei all diesem bleibt er komplett unverbindlich. Er kritisiert nie wirklich, selbst sein Besucht bei Falwell bleibt nahezu unreflektiert. Er bezieht nie wirklich Stellung, nicht für die Schwulen wenn er die schwule Bibelgruppe besucht, aber auch nicht dagegen. Mir hat das nicht gereicht, vielleicht hatte ich mir mehr Kritik erwartet.
Am Ende meiner englischen Ausgabe ist ein Interview mit A.J. abgedruckt, aus dem ich eine Sache zitieren möchte:
Frage: What kind of reaction have you received from readers, both secular and religious?
A.J.: I've been surprised. I actually expected the book to be somewhat controversial, because it deals with such a divisive issue - religion. But so far, I've experienced very little controversy.
Ich bin nicht überrascht, dass das Buch nicht kontrovers aufgenommen wird, dafür bietet es (leider?) keinerlei Grundlage.
Fazit: Ich fand das Buch nicht komplett grottenschlecht, eher enttäuschend. Einiges war recht interessant und zumindest mein englisches Bibel-Vokabular hat sich enorm erweitert.
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